Vom Gehilfen zum Diakon
Das Amt des ehrenamtlichen Diakons hatte sich seit der Reformation gehalten. Die Innere Mission in Deutschland brachte dann bezahlte diakonische Berufe hervor: Diakonissen und Diakonieschwestern sowie Diakone. Wichern wollte sein sozialpädagogisch-volksmissionarisches Konzept mit Hilfe gläubiger Handwerksgesellen verwirklichen, die Kinder zur Arbeit erziehen sollten. Fliedner hingegen wollte in seiner "Pastoralgehilfenanstalt" vor allem das "christliche Leben stärken" und Menschen pflegen. Einsatzfelder der Diakone waren nach Wichern Gefangenenfürsorge und -seelsorge, Betreuung von Strafentlassenen, Verbreitung christlicher Literatur.
Anfang des 20. Jahrhunderts unterschieden sich Männliche und der Weibliche Diakonie vor allem in den Arbeitsfeldern. So bezeichnete die bürgerliche soziale Frauenbewegung die Sozialarbeit als weibliche Domäne. Die Männliche Diakonie reagierte mit einer Qualifizierungskampagne, so dass Ende der zwanziger Jahre Diakone die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspfleger erwerben konnten.
Mit zunehmender Professionalisierung ihrer Pflege forderten Diakone die Anerken-ung ihres Diakonats als vollwertiges kirchliches Amt neben dem Pastorenamt, was Theologen bis heute ablehnen. Seit Mitte der sechziger Jahre verblasst der Unterschied von männlicher und weiblicher Sozialarbeit. Die Männliche Diakonie öffnete den Diakonenberuf für Frauen. Seit Mitte der achtziger Jahre wurden auch die männlichen Bezeichnungen (Brüderhaus, Brüderschaft.) ersetzt.
