Kur- und Erholungsheime
"Je aufreibender das Leben ist, desto stärker ist das Bedürfnis nach Erholung", schrieb bereits 1928 Johannes Steinweg, Direktor im Zentralausschuss für die Innere Mission. Zuerst verursachte die Industrialisierung in England körperliche und seelische Schäden. Bereits 1791 wurde deshalb an der Küste Englands die erste Heilstätte für schwächliche, kränkelnde Kinder gegründet.
Im 19. Jahrhundert gründeten sich auch in Deutschland Wohlfahrtsanstalten, die sich um Wohnungsnot, mangelhafte Lebens- und Hygieneverhältnisse sowie Krankheiten kümmerten. Insbesondere die Arbeiterjugend war von "psychischer und physischer Verwahrlosung" bedroht. Die älteste christliche Erholungsstätte wurde 1852 in Bad Boll von Pfarrer Blumhardt gegründet. 1938 gehörten 317 Erholungsheime zur Inneren Mission; sie waren zugleich Orte christlicher Gemeinschaft. 1834 richtete der Ludwigsburger Arzt August Hermann Werner zwei Kinderheilanstalten in Württemberg ein. Zusätzlich entstanden bald Ferienkolonien, in denen sich Großstadtkinder auf dem Lande erholen konnten. Die Kinderverschickung wurde besonders während und nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutsam. Nach dem Krieg kam die Müttererholung hinzu. Seit den 80er Jahren gibt es auch Mutter-Kind-Kuren, inzwischen sogar Väter-Kind-Kuren.
Deutschlandweit existieren außerdem 50 evangelische Familienferienstätten. Heute ist die Diakonie mit vielen Erholungs-, Genesungs- und Kurheimen präsent, auch wenn deren Zahl in letzter Zeit abgenommen hat.
