Suchtkrankenhilfe
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vereinfachte sich die Herstellung hochprozentigen Branntweins. Die "Branntweinpest" veranlasste v.a. evangelische Pfarrer um das Jahr 1820 eine erste "Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsbewegung" zu initiieren. 1849 sah Johann Hinrich Wichern die Heilung von Trunksucht als dringende Aufgabe der Inneren Mission an. Das evangelische "Blaue Kreuz", 1877 gegründet, gehört noch heute zum Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Trinkerfürsorgestellen; ab den 1920er Jahren arbeiteten sie mit Behörden zusammen. Erste Spezialeinrichtungen für Alkoholkranke enstanden. Dennoch wurden als unheilbar bezeichnete Trinker dort oft nicht aufgenommen: Im evangelischen Behandlungskonzept wurden z.T. Zwangsmittel eingesetzt. Im Nationalsozialismus dann beteiligte sich die Innere Mission an Diskussionen, die zwischen „höherwertigen“ und „minderwertigen“ Menschen unterschieden. Viele der Trinker wurden in Arbeitshäuser oder Konzentrationslager eingeliefert. Nur eine der 1939 noch 27 Trinkerheilanstalten hat ihre Arbeit bis zum Kriegsende weitergeführt: Die Räume wurden für Wehrmachtszwecke benötigt.
