Eugenik, Zwangssterilisation und „Euthanasie“
Die Eugenik galt in der Weimarer Republik gesellschaftsübergreifend als Zukunftswissenschaft. Die Innere Mission befasste sich seit 1931 in regelmäßigen Fachkonferenzen mit Fragen der „Rassenhygiene“. Prinzipielle Einwände gegen die staatlich verordnete Zwangssterilisation vermeintlich Erbkranker wurden nach 1933 nicht mehr laut, aber die 1939 einsetzende Tötung von Anstaltsbewohnern lehnten die Vertreter der Inneren Mission unter Verweis auf das christliche Menschenbild ab. Doch der Widerstand blieb verhalten, Kritik wurde von den Verantwortlichen nicht öffentlich formuliert. Trotz der Verzögerungstaktik vieler Anstaltsleiter wurde etwa 5.000 Bewohner evangelischer Einrichtungen zur Tötung abtransportiert.
