Wohnungslosenhilfe
Seit 1849 kümmerte sich Johann Hinrich Wichern um die Probleme der "wandernden Bevölkerung", vor allem der Handwerksgesellen. 1854 wurde die „Neue Gesellenherberge zur Heimath“ gegründet, 1882 die erste Arbeiterkolonie; sie stand unter dem Motto "Arbeit statt Almosen".
Von 1914 bis 1918 mussten die Verbände ihre Arbeit weitgehend einstellen. Gegenüber der Arbeitslosenfürsorge der Weimarer Republik blieben sie skeptisch. Ab 1924 wurden Arbeiterkolonien durch die öffentliche Wohlfahrtspflege unterstützt.
Die nationalsozialistische Machtergreifung fand große Zustimmung bei den Verbänden. In vielen Arbeiterkolonien wurden Zwangssterilisationen durchgeführt. 1938 wurden ca. 11.000 Wanderer, Bettler und Obdachlose in Konzentrationslager eingeliefert.
Nach Kriegsende standen Flüchtlinge, Vertriebene und Kriegsheimkehrer im Mittelpunkt der Arbeit, seit den 1950er Jahren wieder eher arbeits- und wohnungslose Männer. Die Hilfe beschränkte sich meist auf Auskunft, Verpflegung und kurzzeitige Unterbringung.
In den 1970er Jahren wurde den Verbänden vorgeworfen, zur Nichtsesshaftigkeit beizutragen. 1991 wurde die „Bundesarbeitsgemeinschaft für Nichtsesshaftenhilfe“ in „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.“ umbenannt. Es wurden neue Therapieangebote entwickelt. An die Stelle stationärer Einrichtungen in abgelegenen ländlichen Regionen traten in den vergangenen Jahren offene Beratungs- und Dienstleistungsangebote in den Kommunen.
