Johann Hinrich Wichern - Mitten im Leben
Johann Hinrich Wichern ist die bedeutendste sozialpolitische Persönlichkeit der evangelischen Diakonie. Vor dem Hintergrund der sozialen Not und angesichts von sozialen Aufständen gründeten evangelische Christen des 19. Jahrhunderts an vielen Orten in Deutschland Vereine und Anstalten für Krankenpflege, Kindererziehung, Seelsorge und Mission, um nur einige zu nennen. Sie erhofften sich von dem Engagement des Einzelnen für seinen Nächsten die Kraft zur Erneuerung der bestehenden Gesellschaft, des Obrigkeitsstaates und der Kirche.
Mit seinem Programm der Inneren Mission fasste Johann Hinrich Wichern diese Einzelinitiativen zu einer breiten Bewegung zusammen. Der von ihm 1848 initiierte Central-Ausschuss für Innere Mission, der Vorläufer des Diakonischen Werkes der EKD, verschaffte der Bewegung ihren organisatorischen Rahmen. Johann Hinrich Wichern engagierte sich im Bereich der Bildungs- und Sozialpolitik und beriet die preußische Regierung. Mit der Gründung des Rauhen Hauses in Hamburg, einer Einrichtung für verarmte und verwahrloste Kinder, und der Gründung des evangelischen Johannesstiftes in Berlin mit ähnlicher Zielgruppe schuf er zwei Modellprojekte im Bereich der sozialen Hilfen und Bildung, die noch heute weit über Deutschland hinaus bekannt sind.
Viele der damals wichtigen theologischen oder sozial- und kirchenpolitischen Fragen sind heute noch aktuell. Sicherlich können die jetzigen Lösungsansätze nicht gleich lauten wie im 19. Jahrhundert. Aber beim Blick in die historischen Quellentexte wird deutlich, dass die damalige Sichtweise durchaus bedenkenswerte Anregungen enthält.
Das Diakonische Werk der EKD lobt zum Wichernjahr 2008 einen bundesweiten Jugendwettbewerb aus, der sich unter dem Titel „Wie sozial bist Du?“ der Verknüpfung von Geschichte und Moderne im sozialen Spektrum widmen und eine Wieder-/Neubegegnung mit Johann Hinrich Wichern ermöglichen soll. Zum Einstieg in die Recherchen haben wir im folgenden Originaltexte und Sekundärquellen zu Johann Hinrich Wichern zusammengestellt.
In einem Vorwort zur Sammlung von Büchern in Volksbibliotheken schrieb Wichern im Jahr 1849: „Dass Jugendschriften und Schriften für Erwachsene durcheinander gemischt sind, wird hoffentlich nicht getadelt werden. Eine vieljährige Erfahrung hat mich gelehrt, dass die meisten von denjenigen Erwachsenen, für welche Volksbibliotheken angeschafft werden, sehr gern, oft vorzugsweise gern speziell für Kinder geschriebene Schriften lesen“.
Wir hoffen, dass wir mit unserer Materialien-Sammlung alle Generationen gleichermaßen ansprechen.
Die Materialiensammlung ist das Ergebnis einer Projektgruppe im Rahmen des Wichernjahres 2008. Mitgewirkt haben daran Dr. Ursula Röper, Professor Dr. Volker Herrmann, Dr. Michael Häusler, Ute Burbach-Tasso (Projektleitung).
