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Inhaftierte und Diakonie feiern Gottesdienst

25.04.2008

Eine außergewöhnliche Gemeinde feiert am 27. April einen Gottesdienst: Inhaftierte der Berliner Justizvollzugasanstalt Tegel, evangelische Kirche und ihre Diakonie. Der Gottesdienst wird vom Deutschlandfunk und der Deutschen Welle übertragen und weltweit in deutscher Sprache ausgestrahlt.

Anlass ist der 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern, dem Begründer der modernen Diakonie in Deutschland. Der Hamburger Theologe, der am 21. April 1808 geboren ist, nahm die Not der durch Kriege und Landflucht verarmten Bevölkerung wahr. Er sah Hunger, Krankheit, Kriminalität und Verwahrlosung und erkannte in der sozialen Entfremdung auch eine Entwurzelung aus christlichen Werten.

Wichern prangerte die sozialen Notstände und die ethischen Folgen an. Mit großer Kreativität entwickelte er neue Ideen und Reformvorschläge, um Menschen an Leib und Seele zu helfen. In den Mittelpunkt seiner Gefängnisreform beispielsweise setzte er einen therapeutischen Strafvollzug, der Resozialisation durch Schuldeinsicht ermöglichen sollte.

Dazu gründete er 1858 in Berlin-Moabit das Johannesstift als Ausbildungsstätte für Diakone, als „Brüderanstalt“. Junge evangelische Männer sollten dort zu christlichen Sozialarbeitern und -pädagogen ausgebildet werden. Die angehenden Diakone sollten im benachbarten Zellengefängnis Moabit auf ihren künftigen Beruf vorbereitet und zu einem neuen Typus von Gefängnisaufseher werden. Sie sollten die Gefangenen nicht nur beaufsichtigen, sondern sie auch sozial, menschlich und, wenn gewünscht, seelsorgerisch betreuen. Sein Vorhaben scheiterte als Wilhelm I. 1861 König von Preußen wurde.

Bereits mit der Gründung des Rauhen Hauses 1933 in Hamburg als „Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder“ verfolgte Wichern einem gewaltpräventiven Ansatz. Statt der damals üblichen Straferziehung vertraute er auf die Kraft der Liebe, die Erziehung in familienähnlichen Gruppen und eine elementaren Schulbildung, um Mädchen und Jungen einen Neuanfang zu ermöglichen.

Beim Gottesdienst in der JVA-Tegel predigt Diakonie-Präsident Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik. Für die Liturgie sind Rainer Dabrowski, Landespfarrer der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, und Manfred Lösch, Gefängnisseelsorger in der JVA Tegel zuständig. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von den Inhaftierten unter der Leitung von Stefan Bohle.

Mehr Informationen zum Wichernjahr der Diakonie finden Sie unter
www.wichern2008.de