Herausforderung Migration – 50 Jahre Beckhofsiedlung
Hans-Jörg Kühne: Herausforderung Migration. Geschichte der Beckhofsiedlung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. Geschichte in Bethel 4. 2008. Verlag für Regionalgeschichte Bethel-Verlag
ISBN 978-3-89534-764-1 und ISBN 978-3-935972-22-2
Pb. 24x16 cm., 216 S., 81 sw Abb., Preis 14,90 €
Migration ist kein Phänomen der jüngerer Zeit. Die größte Migrationsbewegungen in Europa gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zwölf Millionen Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten suchten eine neue Heimat im Westen. Gleichzeitig erfolgte die "Repatriierung" der so genannten Displaced Persons (DPs) in ihre Heimatländer: ehemalige Zwangsarbeiter, Insassen der befreiten Konzentrationslager, Kriegsgefangenen und sonstigen Ausländer. Das Buch "Herausforderung Migration. Geschichte der Beckhofsiedlung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel" des Bielefelder Historikers Hans-Jörg Kühne widmet sich einer besonderen Gruppe unter den Displaced Persons, nämlich jenen, die in den Westzonen und der späteren Bundesrepublik Deutschland verblieben, und die im behördlichen Sprachgebrauch bald "Heimatlose Ausländer" hießen.
Es handelte sich um Menschen, die vornehmlich aus Ost- und Südosteuropa stammten. Sie wollten und konnten aus vielerlei Gründen nicht in ihre Heimatländer zurück. Unter ihnen befanden sich Alte, Kranke, Menschen mit physischen und psychischen Behinderungen, Familien, junge Mütter mit Kindern und andere. Für die Fürsorgebehörden galten sie als nur schwer oder gar nicht ins Arbeitsleben und in die bundesdeutsche Gesellschaft integrierbar. Man ging davon aus, dass sie Zeit ihres Lebens "Versorgungsfälle" bleiben würden. Untergebracht waren diese DPs in Barackenlagern, in schnell hochgezogenen Niedrigkomfortsiedlungen oder in ehemaligen Kasernen. Auch auf dem früheren Wehrmachtsgelände im lippischen Augustdorf hatte man sie angesiedelt. Bald wohnten hier über 2.000 DPs. Ihre Lebensbedingungen waren zum Teil katastrophal. Vor dem Hintergrund ihres zum Nichtstun verurteilten Daseins ergaben sich große psychische Probleme, die bei den Betroffenen allzu oft in Depressionen, Alkoholsucht und Selbstmorden, aber auch in der Kriminalität endeten.
Das Buch erscheint anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Beckhofsiedlung im September 2008. Es widmet sich der Vorgeschichte und des Werdegangs dieser einzigartigen und weltweit viel beachteten Einrichtung, die gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergund möglich machte, ohne dass diese ihre kulturelle Identität dabei einbüßten.
